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Sorgt neue EU-Richtlinie für weniger Wohnkredite?

Vor einigen Tagen ist die neue EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Kraft getreten. Die Richtlinie soll insbesondere im Bereich Immobilienfinanzierung mehr Rechte für Verbraucher schaffen und vor allem dazu führen, dass die Beratung bei Immobilienkrediten intensiver, detaillierter und noch mehr auf den Kunden zugeschnitten neben wird. Was sich zunächst einmal für den Normalbürger sehr positiv anhört, kann allerdings eventuell einen Haken haben, der ganz und gar nicht im Sinne der Verbraucherschützer und der Bürger in Deutschland sein kann.

Schärfere Auflagen für Banken könnten zu Problemen führen

Insbesondere schärfere Auflagen sind von der in Kraft getretenen EU-Richtlinie vorgesehen, was die Beratung und vor allem auch die Bonitätsprüfung bei zu vergebenden Immobilienkrediten angeht. Genau dieser Punkt könnte allerdings zukünftig zu dem Problem führen, dass deutlich weniger Wohnkredite als bisher vergeben werden. Die Kreditinstitute haben jetzt nämlich die Pflicht, noch stärker als bisher darauf zu achten, dass der Kreditsuchende auch tatsächlich dazu in der Lage ist, die später anfallenden Raten für den Kredit leisten zu können. Zwar mag es sich dabei vom reinen Wortlaut her um eine ohnehin seit Jahrzehnten durchgeführte Selbstverständlichkeit handeln, allerdings befürchten dennoch nicht wenige Experten, dass dies eher im Sinne einer Kreditverhinderung wirken wird.

Die sonst übliche Feststellung der Kreditwürdigkeit des Kunden wird nämlich zukünftig nicht mehr ausreichen. Stattdessen hat das jeweilige Kreditinstitut die Pflicht nachzuweisen, dass es alle zumutbaren Recherchen durchgeführt hat, um festzustellen, dass die Rückzahlung des aufgenommenen Kredites aller Voraussicht nach ordnungsgemäß erfolgen wird. Dies beinhaltet unter anderem, dass die Banken prüfen müssen, ob der Kunde nicht nur den aktuell veranschlagten Zinssatz zahlen kann, sondern auch bei zukünftig deutlich angestiegenen Hypothekenzinsen dazu in der Lage ist, die Darlehensraten auch dann noch zahlen zu können.

Gründliche Prüfung muss nachweisbar sein

Den Knackpunkt könnte genau diese verpflichtende und detaillierte Prüfung der Bonität des Kunden und seiner Zahlungskraft sein. Kann ein Kreditinstitut diese Prüfung nämlich nicht nachweisen oder sind Kreditnehmer voraussichtlich nicht dazu in der Lage, die Raten ordnungsgemäß zu zahlen, könnte der Antrag auf einen Wohnkredit in der Zukunft deutlich häufiger als bisher abgelehnt werden. Darüber hinaus nimmt die neue EU-Richtlinie auch einen gewissen Einfluss auf die praktische Abwicklung der Kredite. So ist es den Mitarbeitern der Banken in Zukunft nicht mehr gestattet, während des Gesprächs mit dem Kunden beispielsweise eine Tilgungsaussetzung oder Perioden zu vereinbaren, in denen keine Raten gezahlt werden müssen. Dies wiederum führt dazu, dass bisher nur vorübergehende Zahlungsprobleme letztendlich sogar bewirken können, dass der gesamte Immobilienkredit platzt oder von vornherein aufgrund der mangelnden Flexibilität bezüglich der Tilgung gar nicht erst aufgenommen bzw. genehmigt wird.

Bildquelle: geralt / pixabay (https://pixabay.com/de/paragraph-buch-recht-jura-gesetz-386042/)