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Widerrufsrecht - gelb markiert

Letzte Gelegenheit: Widerrufsbroker ab 22. Juni nicht mehr nutzbar

In den vergangenen Monaten war in den Medien häufig über den sogenannten Widerrufsjoker berichtet worden, der bestimmten Kreditnehmern im Zuge ihrer Baufinanzierung die Möglichkeit gibt, ein teilweise schon mehr als zehn Jahre existierendes Baudarlehen zu widerrufen. Grundvoraussetzung ist, dass es sich um einen Immobilienkredit handelt, der mit einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung versehen ist.

Sollte das Immobiliendarlehen zwischen Ende 2002 und 2011 abgeschlossen worden sein, so ist die Chance nach Ansicht der Experten relativ groß, dass eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthalten war. Von Chance kann deshalb gesprochen werden, weil die betroffenen Kreditnehmer die rechtlich mittlerweile vergleichsweise unstrittige Möglichkeit haben, diesen abgeschlossenen Kredit auch heute noch zu widerrufen. Allerdings ist jetzt Eile geboten, denn der sogenannte Widerrufsjoker erlischt mit dem 21. Juni dieses Jahres. Nur bis zu diesem Datum haben die betroffenen Kreditnehmer noch die Chance, von Ihrem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen und somit eventuell von einer erheblichen Zinsersparnis zu profitieren.

Viele Tausend Euro Zinsersparnis sind möglich

Die mögliche Zinsersparnis, wenn betroffene Kreditnehmer von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen und den seit vielen Jahren genutzten Immobilienkredit widerrufen, ist teilweise enorm. Je nachdem, zu welchem Zinssatz der bisherige Kredit läuft, kann im Vergleich zu den aktuellen Hypothekenzinsen eine jährliche Ersparnis von 2-5 Prozent durchaus als realistisch angesehen werden. Auf eine Restschuld von beispielsweise 100.000 Euro gerechnet würde dies bedeuten, dass der Kreditnehmer durch den Widerruf in der Summe jährliche Zinskosten von beispielsweise 3.000 Euro einsparen kann. Die mögliche Zinsersparnis ergibt sich also immer daraus, dass der aktuell im Zuge des Darlehens mit der fehlerhaften Widerrufsbelehrung gezahlte Zinssatz mit dem aktuellen Marktzins dividiert wird. Zahlt der Kreditnehmer also beispielsweise einen Zinssatz von fünf Prozent und kann er das gleiche Darlehen aktuell zu einem Kreditzins von 1,5 Prozent erhalten, wurde sich eine jährliche Zinsersparnis von 3,5 Prozent bezogen auf die Restschuld ergeben.

Kreditnehmer machen bisher kaum von Widerruf gebraucht

Wenn man sich einmal die mögliche Zinsersparnis vor Augen hält, ist es umso erstaunlicher, dass bis heute gerade einmal ein Fünftel aller betroffenen Kreditnehmer von der Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, ihren Immobilienkredit zu widerrufen. Bisher sind es lediglich etwa 20 Prozent, die tatsächlich einen Widerruf ihres Immobilienkredites mit falscher oder fehlerhafter Widerrufsbelehrung durchgezogen haben. Daraus ergibt sich im Umkehrschluss, dass jetzt noch für etwa 80 Prozent der betroffenen Kreditnehmer über einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat hinweg die Chance besteht, den Widerruf in Angriff zu nehmen. Bis zum 21. Juni sollte dies allerdings in die Wege geleitet sein, denn ansonsten ist die Chance vertan. Dann würden etliche Tausend Kreditnehmer auf eine jährliche Zinsersparnis verzichten, die teilweise sogar in den höheren vierstelligen Bereich hineinreichen kann.

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